us Lüchow. Es ist früh morgens. Die Sonne lugt hinter den Wolken hervor und taucht den Marktplatz von Lüchow in ein warmes Licht. Der Ratskeller nimmt fast den ganzen Marktplatz ein. Das eigentliche Rathaus scheint nur ein Anbau zu sein, es wirkt neben dem großen Gebäude klein und schmal. Es ist 6 Uhr. Langsam kommt Bewegung in die angrenzenden Fachwerkhäuser. Es werden Fenster geöffnet. Auch gegenüber vom Marktplatz öffnet der Bäcker Bertram sein Geschäft. Ein Haus daneben hat der Schlachter Schlungbaum seinen Laden. Er steht vor der Tür und fegt den Bürgersteig. Auch das Bankhaus Neubauer öffnet seine Toren. Ein Haus weiter ist der Schreibwarenladen von Frau Mikolayzik. Sie ist eine kleine Frau, fast unscheinbar, nur ihre Augen strahlen Güte aus. Sie tritt vor die Tür, stellt einen Tisch vor den Laden und bestückt diesen mit Zeitschriften. Von überall her kommen Leute. Die ersten Tageszeitungen wechseln den Besitzer. Brötchen gibt es ganz frisch vom Bäcker. Der Bäckerladen füllt sich. Menschen begrüßen sich und wünschen einen guten Morgen. Sie stellen ihre Koffer und Taschen auf den Gehsteig und warten auf den Bus. Die ersten Busse treffen ein, Koffer und Taschen werden verladen. Ab geht die Fahrt nach Dannenberg und Lüneburg. Der kleine Zeiger der Rathausuhr hat die sieben erreicht. Zur gleichen Zeit treffen weitere Busse ein. Sie kommen aus Wustrow, Gartow, Clenze und den vielen Dörfern. Nicht nur Erwachsene sondern auch Kinder steigen aus, die mit Tornistern auf dem Rücken sich auf den Weg zur Schule machen. An der Ecke der Badestraße ist die Gaststätte Blanke. Hier gibt es schon am frühen Morgen Hühner- und Gulaschsuppe, Würstchen mit Kartoffelsalat und natürlich Kaffee. Viele Geschäfte öffnen erst um acht Uhr. Da bleibt die Zeit, sich vor dem Einkauf noch zu stärken. Herr Blanke begrüßt alle freundlich und nimmt die Bestellung auf. In der Zwischenzeit füllt sich der Marktplatz. Gemüsestände sind aufgebaut. Frauen mit Netzen und Körbe stehen an. Frische Kartoffeln, Tomaten und Gurken füllen dir Körbe. Auch der Blumenstand mit Phlox und anderen Blumen lockt die Frauen an den Stand. Natürlich bleibt ein kleines Schwätzchen nicht aus. Neuigkeiten werden ausgetauscht. Der Bauer aus Schweskau packt seinen Stand zusammen. Er hat alle Kartoffeln schon verkauft. Glücklich darüber macht er sich auf den Heimweg. Es geht auf Mittag zu. Die Obst- und Gemüsestände sind fast leer. Der Marktplatz leert sich. Doch die Stadt füllt sich. Die Stoff- und Bekleidungsgeschäfte öffnen. Herr Huth steht vor seinem Geschäft und begrüßt freundlich alle Menschen, die vorbeischauen. Er ist immer adrett gekleidet im Anzug und einer Fliege passend zum Oberhemd. Auch der kleine Handarbeitsladen auf der anderen Seite der langen Straße stellt Körbe mit Wolle vor die Tür. Im Schaufenster liegen Stoffe, vorgedruckte Decken, die man aussticken kann. An der Ecke der Kirchstraße steht Herr Lampe in seinem weißen Kittel vor seinem Uhren- und Schmuckladen. Er hebt die Arme und atmet die frische Morgenluft ein. Gegenüber stellt der Feinkostladen sein Reklameschild nach draußen. Dort gibt es Spezialitäten zu kaufen, die es in den normalen Lebensmittelgeschäften nicht gibt. Ingwerstäbchen mit Schokolade umhüllt sind kaum bekannt, aber sie werden als Exoten gekauft. Auf der Straße nimmt der Verkehr zu. Autos, Pferdegespanne, Motorräder und Radfahrer fahren durch die Straßen.
Die Ruhe kehrt am Nachmittag ein. Nicht lange, denn dann fahren die ersten Busse vor. Menschen steigen aus und ein. Um 18 Uhr ist im Ratskeller vom Bauernverband eine Versammlung. Es geht heiß her, nicht alle sind sich einig. Doch die Gemüter beruhigen sich. Als die Männer den Ratskeller verlassen, wird es ruhig in der Stadt. Der letzte Bus kommt an, nimmt Fahrgäste auf und fährt ab. Der Abend ist da und die Nacht kommt mit großen Schritten. Es ist Ruhe in der Stadt.

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